Seit ich denken kann, spielt Geld eine große Rolle in meinem Leben. Ich glaube das war vor allem deswegen der Fall, da meine Eltern nicht so viel davon hatten. Sogar schon als Zweijähriger machte es mir Spaß, mit der Geldbörse meiner Mutter zu spielen, denn mich faszinierte das fröhliche Klimpern der kleinen, silbrigen und kupfernen Münzen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als kleiner Bengel keinen Teddybären oder einen Plüschhund zum Kuscheln hatte, sondern ich hatte eine Dagobert Duck Figur immer dabei. Der kleine, stinkreiche Enterich sollte mich mein Leben lang begleiten.
Als ich dann größer wurde, war ich total aus dem Häuschen, als mir Opa seine Münzsammlung zeigte. Noch am selben Tag lief ich los, um mir ein Album zu kaufen und mich mit Büchern über Münzen einzudecken. Damit alles einen guten Anfang nehmen konnte, schenkte mir Opa eine kleine Münze aus dem deutschen Kaiserreich mit dem Konterfei des Kaisers darauf. Da war ich mächtig stolz. Diese kleine Münze bildet nun den Grundstock meines heutigen Vermögens. Opas Münze hat natürlich einen Ehrenplatz, direkt neben meiner Dagobert-Figur auf meinem Schreibtisch.
Opa war ein Finanzgenie, er hatte zwar kein Geld, wusste aber, seinen doch luxuriösen Lebenswandel mit wenig Geld zu finanzieren. Ich habe nie danach gefragt, wie Opa es wohl angestellt hat, aber ganz sauber dürften seine Aktionen wohl nicht gewesen sein. Woran ich mich noch lebhaft erinnern kann, sind die Stunden am sonntäglichen Frühstückstisch, als ich mit Opa die aktuellsten Berichte und Artikel diskutierte. Dabei drehten sich unsere Diskussionen um forex, Investments, Immobilien, Aktienkurse und viele andere spannende Themen.
Heute bin ich 34 Jahre alt und bestreite mein Leben auf dem Parkett der Frankfurter Börse. Meine Aufgabe ist es, Aktien von links nach rechts zu verschieben, Unternehmen zu kaufen, sie in kleine Stücke zu zerlegen, sie ausbluten zu lassen und sie dann Stück für Stück wieder an den wohlhabenden Mann zu bringen. Für mich springt dabei immer eine ordentliche Provision heraus.
Obwohl nun der große Börsenhype vorbei zu sein scheint, macht es mir auf dem Parkett immer noch einen riesigen Spaß. Ich finde es spannend und aufregend, das Geschrei zu hören und die hektische Rennerei zu beobachten, bis irgendein Handel schließlich zustande kommt. Nun ist es ruhiger hier, denn vieles läuft über Plattformen im Web ab. Es wird nicht mehr durch den Saal gebrüllt, sondern nur noch durch den PC geflüstert. Aber auch damit werden wir noch fertig.